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NÖ
Landesfischereiverband I
Hr.
Geschäftsführer Hartwiger Ernst
Lieber
Ernst,
Sehr
geehrter Hr. Hofrat Dr. Wögerbauer,
Sehr
geehrter Geschäftsführer Pilgesdorfer
lieber
Karl,
lieber
Siegi
wie bei
der Jahreshauptversammlung des Landesfischereiverbandes mündlich
avisiert,
teile
ich dir die Anliegen des Fischervereines nun schriftlich mit.
Viele
Fischarten, insbesondere in der Äschen- und Barbenregion zeigen starke
Rückgänge. In der Donau sind diese besonders dramatisch, da neben den
Auswirkungen von wasserbaulichen Maßnahmen, Kraftwerksnutzung und
Schifffahrt und dem Fraßdruck durch die fischfressenden Vögel in den
letzten Jahren zusätzlich ein enormer Druck auf die angestammten Arten
durch die sogenannten Neozoen entstanden ist. Vor allem die
Schwarzmundgrundel sowie der Signalkrebs zeigen unvorstellbare
Populationsdichten und greifen in die Bestandspyramide von unten ein, da
sie vor allem Laich und Jungfische fressen. Besonders betroffen sind
auch Arten, die derzeit keinerlei Bewirtschaftungsmaßnahmen
unterliegen, da sie fischereiwirtschaftlich gesehen keinen besonderen
Wert haben und deshalb auch in der Regel in kommerziellen Zuchtbetrieben
nicht oder kaum verfügbar sind. Für das fischökologische
Gleichgewicht der Gewässer sind aber viele dieser Arten dennoch sehr
wichtig, da sie unter anderem oft auch wichtige Nahrungsbestandteile der
fischereiwirtschaftlich wichtigen Arten sind. Dramatisch zu beobachten
ist der Zusammenbruch z.B. bei der Laube in der Donau und in den meisten
Donauabschnitten auch die Nase.
Die
Nachzucht solcher Arten stößt meist schnell an fachliche und
wirtschaftliche Grenzen. Einerseits liegen vielfach noch wenig
Erfahrungswerte über die Verfügbarkeit von Elternfischen und
Zuchtmethoden vor, andererseits ist der Absatzmarkt klein und somit sind
die Fische sehr teuer. Viele Bewirtschafter schrecken dann, angesichts
der Kosten und der Tatsache, dass diese Arten fischereiwirtschaftlich
vordergründig nicht interessant und zudem noch schwer erhältlich sind,
davor zurück, entsprechende Besatzmaßnahmen durchzuführen. Grundsätzlich
ist Besatz auch nur dann sinnvoll, wenn gewässermorphologische
Verbesserungen in den Gewässern absehbar sind, wenn
Bewirtschaftungsfehler der Vergangenheit "repariert" werden
sollen oder wenn außergewöhnliche Ereignisse die Bestände überdurchschnittlich
geschädigt haben, bzw. wenn historisch vorhandene Arten wieder
angesiedelt werden sollen Ansonsten sollte der Fokus der Bewirtschafter
auf gewässermorphologischen Sanierungsmaßnahmen bzw. Unterstützung
der natürlichen Reproduktion liegen.
Aus
unserer Sicht nimmt das Bundesinstitut in Scharfling mit der
angeschlossenen Fischzucht in Kreuzstein eine zentrale Rolle ein.
Einerseits fließen hier alle Informationen aus Bestandserhebungen etc.
zusammen (Fischdatenbank) und andererseits sind hier Forschungskapazitäten
und Aufzuchtmöglichkeiten gebündelt. Die Fischzucht könnte auch
andere Ziele, als die Erzielung eines wirtschaftlichen Gewinnes
verfolgen und dadurch die Zielerreichung eines guten ökologischen
Zustandes in unseren Gewässern wesentlich unterstützen. Beispiele für
Arten die betrachtet bzw. unterstützt werden sollten sind Nasen,
Nerfling Hasel, Schrätzer, Zingel, Aalrutte aber auch diverse sog.
„Kleinfische" wie Schmerlen, Gündlinge, Bitterling, Elritze
usw.,
Voraussetzung
dafür wäre allerdings eine politische Willenserklärung durch das zuständige
Ressort und eine entsprechende finanzielle Ausstattung der Einrichtungen
in Scharfling bzw. Kreuzstein.
Andererseits
müssten auch die Bewirtschafter dafür Sorge tragen, dass die Abnahme
von in dieser Einrichtung reproduzierten Fischen gesichert ist. Hier käme
den Fischereiverbänden der Länder eine zentrale Rolle einerseits als
Koordinationsstelle und andererseits als finanzieller Unterstützer für
bestimmte Nachtzucht- bzw. Besatzprojekte zu.
Wir
sollten nicht zusehen, wie die Leit- und Begleitfischarten der Donau und
anderer Flüsse immer weniger werden. Deshalb sollten alle für die
Fischerei Verantwortlichen gemeinsam dafür eintreten, dass die
Einrichtungen in Scharfling bzw. Kreuzstein die entsprechenden Mittel
dafür bekommen. Dazu ist es notwendig die Probleme der Öffentlichkeit
bekannt zu machen und Druck auf die politischen Entscheidungsträger
aufzubauen.
Freundliche
Grüsse und petri heil
Fischereiverein
Enns
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