Fischereiverein Enns
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Brief des Fischereivereines ENNS vom August 2010  an den NÖ. und den
OÖ. Landesfischereiverband mit dem Ersuchen um "Stärkung" des
Bundesinstitutes in Scharfling mit der angeschlossenen Fischzucht in Kreuzstein

 

 

NÖ Landesfischereiverband I

Hr. Geschäftsführer Hartwiger Ernst

Lieber Ernst,

 

Sehr geehrter Hr. Hofrat Dr. Wögerbauer,

Sehr geehrter Geschäftsführer Pilgesdorfer

lieber Karl,

lieber Siegi

 

wie bei der Jahreshauptversammlung des Landesfischereiverbandes mündlich avisiert,

teile ich dir die Anliegen des Fischervereines nun schriftlich mit.

Viele Fischarten, insbesondere in der Äschen- und Barbenregion zeigen starke Rückgänge. In der Donau sind diese besonders dramatisch, da neben den Auswirkungen von wasserbaulichen Maßnahmen, Kraftwerksnutzung und Schifffahrt und dem Fraßdruck durch die fischfressenden Vögel in den letzten Jahren zusätzlich ein enormer Druck auf die angestammten Arten durch die sogenannten Neozoen entstanden ist. Vor allem die Schwarzmundgrundel sowie der Signalkrebs zeigen unvorstellbare Populationsdichten und greifen in die Bestandspyramide von unten ein, da sie vor allem Laich und Jungfische fressen. Besonders betroffen sind auch Arten, die derzeit keinerlei Bewirtschaftungsmaßnahmen unterliegen, da sie fischereiwirtschaftlich gesehen keinen besonderen Wert haben und deshalb auch in der Regel in kommerziellen Zuchtbetrieben nicht oder kaum verfügbar sind. Für das fischökologische Gleichgewicht der Gewässer sind aber viele dieser Arten dennoch sehr wichtig, da sie unter anderem oft auch wichtige Nahrungsbestandteile der fischereiwirtschaftlich wichtigen Arten sind. Dramatisch zu beobachten ist der Zusammenbruch z.B. bei der Laube in der Donau und in den meisten Donauabschnitten auch die Nase.

Die Nachzucht solcher Arten stößt meist schnell an fachliche und wirtschaftliche Grenzen. Einerseits liegen vielfach noch wenig Erfahrungswerte über die Verfügbarkeit von Elternfischen und Zuchtmethoden vor, andererseits ist der Absatzmarkt klein und somit sind die Fische sehr teuer. Viele Bewirtschafter schrecken dann, angesichts der Kosten und der Tatsache, dass diese Arten fischereiwirtschaftlich vordergründig nicht interessant und zudem noch schwer erhältlich sind, davor zurück, entsprechende Besatzmaßnahmen durchzuführen. Grundsätzlich ist Besatz auch nur dann sinnvoll, wenn gewässermorphologische Verbesserungen in den Gewässern absehbar sind, wenn Bewirtschaftungsfehler der Vergangenheit "repariert" werden sollen oder wenn außergewöhnliche Ereignisse die Bestände überdurchschnittlich geschädigt haben, bzw. wenn historisch vorhandene Arten wieder angesiedelt werden sollen Ansonsten sollte der Fokus der Bewirtschafter auf gewässermorphologischen Sanierungsmaßnahmen bzw. Unterstützung der natürlichen Reproduktion liegen.

Aus unserer Sicht nimmt das Bundesinstitut in Scharfling mit der angeschlossenen Fischzucht in Kreuzstein eine zentrale Rolle ein. Einerseits fließen hier alle Informationen aus Bestandserhebungen etc. zusammen (Fischdatenbank) und andererseits sind hier Forschungskapazitäten und Aufzuchtmöglichkeiten gebündelt. Die Fischzucht könnte auch andere Ziele, als die Erzielung eines wirtschaftlichen Gewinnes verfolgen und dadurch die Zielerreichung eines guten ökologischen Zustandes in unseren Gewässern wesentlich unterstützen. Beispiele für Arten die betrachtet bzw. unterstützt werden sollten sind Nasen, Nerfling Hasel, Schrätzer, Zingel, Aalrutte aber auch diverse sog. „Kleinfische" wie Schmerlen, Gündlinge, Bitterling, Elritze usw.,

Voraussetzung dafür wäre allerdings eine politische Willenserklärung durch das zuständige Ressort und eine entsprechende finanzielle Ausstattung der Einrichtungen in Scharfling bzw. Kreuzstein.

Andererseits müssten auch die Bewirtschafter dafür Sorge tragen, dass die Abnahme von in dieser Einrichtung reproduzierten Fischen gesichert ist. Hier käme den Fischereiverbänden der Länder eine zentrale Rolle einerseits als Koordinationsstelle und andererseits als finanzieller Unterstützer für bestimmte Nachtzucht- bzw. Besatzprojekte zu.

Wir sollten nicht zusehen, wie die Leit- und Begleitfischarten der Donau und anderer Flüsse immer weniger werden. Deshalb sollten alle für die Fischerei Verantwortlichen gemeinsam dafür eintreten, dass die Einrichtungen in Scharfling bzw. Kreuzstein die entsprechenden Mittel dafür bekommen. Dazu ist es notwendig die Probleme der Öffentlichkeit bekannt zu machen und Druck auf die politischen Entscheidungsträger aufzubauen.

Freundliche Grüsse und petri heil

Fischereiverein Enns